Leserfrage: Schamgefühle beim Schreiben von Erotikszenen?

Auch dies ist ein Beitrag aus meinem alten Blog, den ich hierher übertrage, da ich denke, dass diese Frage junge Schreiber,
die sich das erste Mal an solche Szenen heranwagen öfter bewegt:

November 5, 2009 – Donnerstag
Diese Woche widme ich mich wieder einer aktuellen Leserfrage. Es ist eine dieser Fragen, die man kurz beantworten könnte, die einen aber doch ein wenig nachdenken lassen – vor allem weil eine Entwicklung dahin führte, dass man die Frage so beantwortet, wie man es letztendlich tut. Wie ich mich beim Schreiben von erotischen Szenen fühle? Ob es mir peinlich ist solche Szenen zu schreiben und dann auch noch zu veröffentlichen?
Für diejenigen die meine Werke nicht kennen und nur zufällig über diesen Blog stolpern, ich schreibe hauptsächlich paranormale Werke, die teilweise recht detailreiche erotische Szenen enthalten. Allerdings bemühe ich mich sehr um eine geschmackvolle, fantasieanregende Schreibweise. Wer Pornographie sucht, findet in Edens Asche und Co, nicht das Richtige.😉
Als ich die Frage das erste Mal las, war meine erste Reaktion: Nein, wieso denn? Aber dann musste ich nachdenken.
Als ich die erste Sexszene für eine Geschichte von mir verfasste war das für ein Werk, an dessen Namen ich mich gar nicht mehr erinnere. Es war irgendeine Geschichte die ich im mittleren oder späteren Teenageralter verfasst habe. Und da war ich schon etwas verlegen. Ich dachte mir nur: Hoffentlich liest das niemand und ich hätte sie glaube ich nie jemanden gezeigt, glaube ich. Kann sein, dass meine damalige beste Freundin sie lesen durfte. Keine Ahnung.
Ich habe in dieser Zeit alle möglichen Genres ausprobiert. Es war aber, glaube ich, schon eine Vampirgeschichte.
Dann begann ich eigentlich schon relativ bald mit Edens Asche. Edens Asche begleitet mich ja schon viel länger, als es eigentlich veröffentlicht ist. Edens Asche enthält ja relativ viel Erotik. Ich war dann älter und auch sagen wir lockerer. Wobei ich das Werk bevor es nicht mehrmals überarbeitet worden war, keine fremden Augen sehen durften: Außer meine Schwester, sie war meine erste Testleserin. Ich konnte damals nicht im selben Zimmer sein, wenn sie darin las. So verlegen war ich. Aber das bezog sich eher allgemein auf die Geschichte, nicht auf die Tatsache, dass Erotik darin enthalten war. Aber rot wurde ich schon, wenn sie dann mal kicherte und sagte: Da ist ja eine Sexszene drin. Eine Freundin von mir hat mir das Manuskript auch mit den Worten zurückgegeben: Ich kann es nicht lesen, wenn du das geschrieben hast. Das fand ich dann witzig: Denn im Grunde hat die Sache nichts mit mir zu tun. Ich schreibe es, denke es mir aus – ich packe in dieser Geschichte nicht mein Nachtkästchen aus, sozusagen. Als das Buch dann draußen war, hat sie es dann aber doch gelesen und mochte es auch.
Anders sah das ein Schulfreund und langjähriger Banknachbar von mir, der mir die erotischen Szenen als besonderes Plus des Buches anmerkte. Sie waren vermute ich sein Lieblingspart. Mich hat es gefreut (aber da wurde ich dann auch ein wenig verlegen).
Die eigentliche Herausforderung waren für mich die homoerotischen Szenen in Edens Asche. Ich hatte natürlich schon solche Szenen geschrieben, aber bisher hatte sie niemand gelesen.
Ich war nervös, dass sie mir nicht gelingen. Immerhin bin ich eine Frau und schreibe über zwei Männer. Und ich wollte ja, dass Edens Asche beiden Geschlechtern gefällt.
Nun, in Band 1 gab es ursprünglich nur eine einzige homoerotische Szene und die war nicht sehr ausführlich. Ich denke, ich habe mich noch nicht wirklich herangetraut. Zwar gab es im späteren Handlungsverlauf von Edens Asche welche, aber die hatte bisher noch niemand gelesen. Aber wenn ich jetzt Szenen für Damian und Joshua verfassen würde, kämen sie ja schon an die Öffentlichkeit! Und: Jetzt würden sie ja auch Männer lesen, wenn diese Szenen veröffentlicht würden.
DAS machte mich nervös.
Immerhin, wollte ich ja, wie gesagt, dass auch Männer Edens Asche mögen,
Deshalb habe ich, nachdem ich die Szenen in einer langen, bis in die frühen Morgenstunden am Laptop verbrachten Sommernacht schrieb, übarbeitete, umschrieb und nochmal überarbeitete, bis ich zufrieden war, eine eine nervöse, haspelige und ich denke relativ wirre *Hundeblick*-Email an einen guten Freund verfasst, der mir, bevor diese weiteren Szenen ergänzt und zum Verleger geschickt würden, seine Meinung kundtun sollte. Da war ich verlegen und nervös. Aber wie. Denn der Freund war ja mein erster, männlicher Leser. Ich wusste er wäre ehrlich, sonst hätte ich ihn nicht gefragt. Ich denke nur selten war ich so nervös bevor ich eine Antwortmail las. Und während des Lesens auch sehr verlegen. Auch wenn es eine echte, sachliche und sehr konstruktive E-Mail war (die dann auch die Verlegenheit nahm). Nun, die Szenen sind im Buch, also könnt ihr Euch denken, wie seine Antwort ausfiel.
Und seitdem bin ich eigentlich nicht mehr verlegen. Ich bin nervös, ob die Geschichten gefallen und wie sie ankommen, aber ich schäme mich nicht mehr.
Es sind Szenen für den Leser, für seine Fantasie, der ich mit meiner eigenen eine Rahmenhandlung gebe. Ich denke, so kann man es ganz gut umschreiben. Wie sich der Leser die Bilder erschafft ist seine Sache. Wenn die Szene knistert, wenn der Leser sie verschlingt, dann habe ich mein Ziel erreicht.
Ob es schwer für mich ist die Szenen so zu verfassen: Ich stecke Arbeit rein, bemühe mich die perfekten Worte zu finden und Emotionen zu wecken – ich denke der schwerste Part ist es, die Emotionen in Worte zu fassen. Erotische Szenen erfordern denke ich mehr Fingerspitzengefühl als andere – man balanciert stetig auf einem Steig und die Worte müssen trotzdem luftig leicht fließen und sinnliche Stimmung vermitteln – den Leser auf gewisse Weise genauso verführen, wie die Charaktere sich gegenseitig.

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