Leseprobe “Edens Asche – Engel der Rosen”

Hi ihr Lieben,

nachfolgend findet ihr eine Leseprobe aus “Edens Asche – Engel der Rosen”.
Viel Spaß beim Lesen🙂

Gemütlich schlenderte er die Promenade entlang und ließ sich einfach dahintreiben im Strom der nächtlichen Spaziergänger. Er hatte kein besonderes Ziel. Zu Damians rechter Seite schlugen die Wellen des nachtschwarzen Meeres leise gegen das von Menschenhand geschaffene Hafenbecken. Links von ihm dagegen lärmte das geschäftige Treiben der kleinen Hafenstadt. Jugendliche auf Vespas rasten über die verstopften Straßen. Gruppen von Menschen jeglichen Alters strömten aus oder in die kleinen Bars und Lädchen, die bis spät in die Nacht ihre Türen geöffnet hielten. Damian seufzte.
‚Warum nur fühle ich mich nicht mehr zugehörig zu ihnen? Ich bin jetzt gerade ein Jahr ein Vampir. Ich bin 24 Jahre alt und fühle mich manchmal älter, als es meine Großmutter jetzt wäre.’
Damian fauchte leise.
„Hey, du wolltest das Trübsal blasen doch sein lassen“, raunte er sich selbst streng zu.
Er zündete sich eine Zigarette an und ließ seinen Blick zu den belebten Straßen zurückkehren, zu den schwatzenden, streitenden, fröhlichen und nachdenklichen Menschen, die durch Porto Cesareo bummelten. Er atmete tief durch.
„Es wird Zeit, sich unter sie zu mischen.“
Er stieg auf die kleine Mauer, welche die Promenade vom restlichen Betrieb der Stadt trennte. Ein paar Schritte balancierte er darauf dahin, vorbei an einer Gruppe Mädchen, die kichernd auf seine schlanke Gestalt blickten. Auffordernd stupsten sie eine von ihnen an. Damian sprang anmutig auf der anderen Seite von der Mauer und ging langsam weiter und tat so, als bemerke er nicht, dass sie ihm „unauffällig“ folgten. Dabei flüsterten sie heftig miteinander. Damian verbiss sich ein Lachen. Seine vampirische Anziehungskraft hatte sich augenscheinlich mal wieder selbstständig gemacht. Er kam sich vor wie der Rattenfänger von Hameln. Er wechselte die Straßenseite und hüllte sich in die Schatten. Wie der Blitz verschwand er in einer kleinen Nebengasse, zu schnell, als dass ein Sterblicher ihm hätte mit den Blicken folgen können. So witzig er die Aufmerksamkeit fand, die sie ihm schenkten, Beobachter konnte er nicht gebrauchen. Damians Gedanken wanderten zu Beatrice, während er nach einer Bar Ausschau hielt, die geeignet war, ihm als Jagdrevier zu dienen. Sie und er würden sich später wieder treffen, denn bei der Jagd waren sie beide lieber allein. Anfangs hatte Damian sie begleitet, ihr gezeigt, wie sie ihre neuen Fähigkeiten einsetzen und erforschen konnte, und ihr beigebracht, wie man den Bann effektiv nutzte. Und er hatte sie die wichtigste Lektion gelehrt, die ihm und Joshua so viele Streitgespräche beschert hatte. Die, dass alles zu begreifen unmöglich war. Die, dass es manchmal auf das Wieso/Weshalb/Warum? einfach keine Antwort gab. Beatrice hatte schneller als er akzeptiert, dass es in diesem Dasein Fragen und Antworten gab, die kein Sterblicher oder Unsterblicher in Worte fassen konnte. Man gewann einfach irgendwann diese Erkenntnis, wenn man sie denn gewinnen wollte. Aber vielleicht klappte es auch nie. Dies hatte er versucht, Beatrice zu vermitteln. Er wusste, er war im Grunde ein schlechter, wenn nicht gar ungeeigneter Ausbilder. Er war ja selbst noch ein Neuling unter den Vampiren. Doch wer hätte sich sonst um Beatrice kümmern sollen? Er kannte ja keine anderen Vampire mehr, außer den einen, von dem er sich wünschte, ihn nie kennen gelernt zu haben. Aber Beatrice hatte das, was er ihr beibringen konnte, schneller internalisiert, als er selbst damals. Damian wusste, dass sie sich oft auch ihm zuliebe zurückgehalten hatte mit ihren Fragen, um ihn nicht daran zu erinnern, wie wenig Zeit er und Joshua gehabt hatten. Damian wusste jetzt, dass er sich keinen besseren Lehrmeister hätte wünschen können. Er bereute nun sehr, Joshua so oft mit seinen Launen gequält zu haben. Doch auf der anderen Seite hatte Joshua sich auch oft einen Witz auf seine Kosten gemacht, indem er einfache Antworten in rätselhafte Worte hüllte, gegen die die Prophezeiungen des Nostradamus wie die Texte aus einem Micky Maus Comic wirkten.

Isabella saß an der Theke einer hoffnungslos überfüllten Bar und rührte missmutig in ihrem Cappuccino. Ihr war langweilig und sie wünschte sich Gesellschaft.
„Eine verdammt blöde Idee, alleine in den Urlaub zu fahren“,
murmelte sie.
Wenigstens eine Freundin hätte sie mitnehmen können. Aber nein. Sie hatte sich ja in den Kopf setzen müssen, alleine zu vereisen. Sie hätte nie gedacht, dass es so schwer sein würde, jemanden kennenzulernen. Das war ja eigentlich der Sinn der Reise gewesen, sich dazu zu zwingen, endlich mal auf Leute zuzugehen.
„Du bist zu schüchtern, Mädel“, schimpfte sie leise.
„Wie bitte?“
Eine melodiöse, dunkle Stimme sprach sie von der Seite an. Auf Deutsch! Sie war so erfreut, dass sich endlich jemand gefunden hatte, mit dem sie sich vielleicht eine Weile würde unterhalten können, dass ihr das Selbstgespräch gar nicht peinlich war.
„Nichts. Ich habe nur zu mir selbst gesprochen“, sagte sie schnell und wandte sich, verlegen lächelnd, ihrem Sitznachbarn zu.
Augenblicklich sah sie in die schönsten Augen, die sie je erblickt hatte. Sie hatten dieselbe dunkelblaue Farbe, wie das Meer hier in Apulien. Diese Augen fesselten sie. Isabella hatte das Gefühl darin zu versinken, wie in dem Wasser, dessen Farbe sie hatten. Die Geräusche der überbevölkerten Bar drangen nur noch schwach an ihre Ohren. Ihre Kehle wurde plötzlich eng. Ihr Mund trocknete aus. Was war nur mit ihr los? Hastig griff sie nach ihrer Tasse und trank einen tiefen Schluck. Der Bann war gebrochen. Die Realität hielt wieder Einzug in dem Areal ihres Gehirns, das für die Wahrnehmung zuständig war.
„Sie sind Deutscher?“ fragte sie dann. ‚Diese Frage zeugt wahrhaftig von Intelligenz, meine Liebe’, verspottete sie sich im Geiste selbst.

„Zur Hälfte. Meine Mutter stammte von hier. Mein Vater war Deutscher. Ich lebe allerdings hier“, antwortete er und lächelte freundlich.
Erleichtert stellte sie fest, dass er ihre Frage nicht spöttisch beantwortete.
„Da haben sie es gut. Ich mache hier nur Urlaub. Mein Name ist übrigens Isabella.“
Höflich streckte sie ihm ihre Hand entgegen.
„Freut mich. Ich bin Damian“, sagte er und ergriff die ihm
dargebotene Hand.
Isabella stockte kurz der Atem, als seine große, schlanke Hand die ihre umfasste. Seine Haut fühlte sich zart und seidig an. Seine Berührung war kalt wie Eis. Trotzdem war sie ihr durchaus angenehm. Ihre Haut begann zu kribbeln dort, wo sie mit der seinen in Kontakt trat. Ein Schauer rieselte durch ihren Körper. Als er ihr seine Finger entzog, verspürte sie ein seltsames Gefühl des Verlustes.
‚Ich glaube, ich werde verrückt’, dachte sie von sich selbst und den Reaktionen ihres Körpers auf diesen Fremden überrascht.
Er griff in die Brustasche seines Hemdes und holte ein Päckchen Zigaretten hervor. Isabella nutzte die Gelegenheit, ihre neue Bekanntschaft neugierig zu betrachten. Er war sehr groß, soweit sie das, weil er doch auf einem Barhocker saß, feststellen konnte und auch äußerst schlank. Dieser Eindruck wurde durch die engen schwarzen Schlagjeans und das blutrote, taillierte Hemd noch zusätzlich betont. Sein schmales, überaus hübsches Gesicht wurde von rabenschwarzen, schulterlangen Locken umrahmt. Ihr fiel auf, dass er seltsam blass war für diese Region und Jahreszeit.
‚Wie ein Vampir’, schoss es ihr durch den Kopf. Sie lächelte über ihre Assoziation amüsiert. Da sah er zu ihr auf. Seine mandelförmigen, dunkelblauen Augen, die unter scharf geschwungenen, schmalen Brauen lagen, leuchteten von anziehender Magie erfüllt wie aus tiefen Schatten auf sie nieder. Sie schlug die Augen nieder, um ihrer Bannkraft zu entfliehen.
‚Er trägt Augen-Make-up!’, fiel ihr plötzlich auf. ‚Er ist exzentrisch, ein italienischer Grufti. Daher auch seine Mondlichtblässe. Kein Fall für Van Helsing’, verspottete sie sich selbst.
Sie sah wieder zu ihm auf. Seine beinahe schon feminin anmutenden, vollen Lippen umspielte ein verführerisches Lächeln.
„Trinkst du ein Glas Wein mit mir?“ lud er sie ein.
Seine Stimme war von einer hypnotischen Sinnlichkeit und Isabella konnte nur antworten:
„Sehr gerne. Danke.“ Erschrocken über den heiseren Klang ihrer Stimme wollte sie sich verlegen abwenden, doch sein Blick hielt sie fest. Seine Mittelmeeraugen fesselten sie mit unsichtbaren Banden. Sie war eine Gefangene seiner magischen Aura, welche sie ganz zu umspannen schien und den Rest der Welt in ein Meer aus undeutlichen Farben und Geräuschen verwandelte.
Damian bestellte eine Karaffe mit süßem Rotwein beim Barkeeper und sah dann zu dem Mädchen an seiner Seite. Mühsam versuchte er den Grund zu verdrängen, der, außer der Tatsache, dass sie überaus nett aussah, dazu geführt hatte, dass er sie ansprach. Es wäre ja ein Leichtes gewesen, ihr Selbstgespräch zu ignorieren, aber sie gefiel ihm und es tat gut mal wieder Deutsch zu hören, von seiner WG mal abgesehen natürlich. Er unterdrückte ein schwermütiges Seufzen. Es fiel ihm immer noch schwer zu sagen, wo letztendlich seine Interessen lagen. Vor allem da solche Flirts immer dasselbe, mehr oder weniger unglückliche Ende hatten. Der Vampir in ihm verhinderte unbeschwertes Flirten.
‚Ich gebe es ja zu, dass ich die Jagd inzwischen genieße, dass es mich befriedigt, wenn ich ihr Blut zu mir nehme und dass ich nicht mehr vor Reue in Tränen ausbreche, wenn ich töte, sondern sich lediglich ein leises Bedauern zeigt. Aber ich wünsche mir auch, endlich wieder jemanden zu finden, mit dem ich mich anfreunden kann. Aber sobald ich ihr Blut habe, sind sie mir dann, kalt gesagt, komplett egal. Der Vampir in mir sucht die Menschen aus, die ich anspreche. Er wickelt den Bann um sie und spinnt sie in sein Netz. Er weckt das Begehren in ihnen und begehrt sie. Aber Damian Krieger sehnt sich nach mehr als Sex und Blut.’
Diese Gedanken beschäftigten ihn schon lange, einst, vor wenigen Wochen, hatte er sich Beatrice in dieser Sache anvertraut. Die Erinnerung an dieses Gespräch war so frisch wie der Meereswind, der Tag und Nacht seine Lieder in den Ästen der Bäume sang, die um seine und Kims Villa herum standen.

Sie hatten am Rande des Brunnens im Garten gesessen und die Goldfische gefüttert. Er hatte über diese unselige Frage nachgesonnen und Fischfutter, eine Handvoll nach der anderen, in das Brunnenbecken geworfen, bis Beatrice ihm nachdrücklich die Dose aus den
Fingern löste.
„Ich glaube, sie haben jetzt genug zu fressen, meinst du nicht?“
Sie schenkte ihm ein humorvolles Lächeln. Damian nickte aber lediglich abwesend. Sie legte ihm eine Hand auf die Schulter.
„Was beschäftigt dich?“
Diese besorgte Erkundigung weckte ihn aus seinen Gedanken. Es war äußerst selten, dass Beatrice nicht wartete, bis er von selber sprach. Allerdings wusste er auch, dass es für Kim und sie nicht einfach sein musste zuzusehen, wie er immer wieder in seine Melancholie versank. Es störte ihn ausnahmsweise nicht, dass sie fragte. Es freute ihn eher. Es erinnerte ihn daran, nicht alleine diesem Gebirge aus Ängsten und Sorgen gegenüberzustehen. Das war etwas, das er nur allzu gerne vergaß, denn er war es gewohnt, als Einzelkämpfer alle Probleme zu lösen. Doch damals, nachdem seine Eltern gestorben waren, hatte er aus eigener Entscheidung alle Aufgaben an sich gerissen, nur um vom Nachdenken abgehalten zu werden. Kim hätte ihm gerne geholfen, das wusste er, aber Damian hatte es nur selten zugelassen. Es war aber nicht nur die Flucht vor dem Nachdenken. Er wollte seiner Umwelt auch beweisen, dass er dazu fähig war, für sich und Kim gut zu sorgen. Er sah es auch als seine Pflicht an, alles alleine zu machen. Er war der große Bruder und Kim der Jugendliche, der ein schönes Leben haben sollte, wofür er ja jetzt die Verantwortung trug. Er wollte nicht, dass vielleicht das Jugendamt auf sie aufmerksam werden würde und ihm Kim wegnehmen könnte. Es wäre für ihn schrecklich gewesen, wenn sie seinen Bruder in eine Pflegefamilie, in ein Heim oder weiß Gott wohin geschickt hätten. Und irgendwann war es ihm zur Natur geworden, alle, die er liebte, seine Freunde und Kim, vor allem Unglück beschützen zu wollen. Er wollte immer für sie da sein, ohne auf sich selbst Rücksicht zu nehmen. Doch selbst konnte er nur schwer über seine Sorgen reden. Damian hatte Glück, dass er gute Freunde hatte, die ihn kannten und die inzwischen wussten, wie sie mit ihm umzugehen hatten, so dass auch sie ihm helfen konnten. Er duldete Einmischungen nur ungern und schon gar nicht von Menschen, die er nicht gut kannte, die aber aufdringlich in sein Leben eingreifen wollten. Damals nach dem Tod seiner Eltern und der Großmutter waren viele sogenannte Freunde und Bekannte aufgetaucht, die glaubten mit „wohlgemeinten“ Ratschlägen die beiden reichen Erben leicht beeinflussen zu können. In der Zeit entwickelten die Brüder ein gesundes Misstrauen gegenüber diesen „guten Freunden“. Gute Ratschläge hörte er sich durchaus an, aber er wollte selbst entscheiden, welche er annahm und welche nicht. Damian hatte damals so viele schlechte Erfahrungen machen müssen, so dass jemand, der ihm näher kommen wollte, erst eine Probezeit bestehen musste. Diese war genau dann vorüber, wenn sein Gefühl es ihm sagte. Nur dieser Person gewährte er dann viele Freiheiten. Und jetzt war es so weit. Er war schuld, dass Kim und Beatrice in dieser Situation steckten und er alleine musste sie auch wieder unbeschadet hier herausbringen. Er durfte die beiden nicht noch zusätzlich mit seinen Problemen belasten. Doch jetzt konnte er nicht mehr.
Diese Frage drängte aus ihm heraus.
„Willst du nicht darüber reden?“ fragte Beatrice vorsichtig und riss ihn aus seiner Selbstanalyse.
Ohne es zu merken, war er wieder abgedriftet. Damian seufzte.
„Doch. Kann ich dir eine Frage stellen?“ Er sah sie aus großen, bittenden Augen an.
„Klar. Immer. Welche?“ erwiderte sie sanft.
Damian atmete tief durch.
„Glaubst du, wir können uns in einen Sterblichen verlieben? Ich meine, an Vampiren scheint die Auswahl nicht gerade groß zu sein. Was bleibt uns also anderes übrig, als unser Glück bei den Menschen zu suchen? Aber ist uns das überhaupt möglich? Können wir mit einem Menschen schlafen, ohne ihn dann letztendlich von unserer Lust überwältigt zu töten, wenn sich die Begierde nach dem Körper mit dem Hunger nach Blut vermischt? Und wenn das nicht in der ersten Nacht geschieht, dann halt in irgendeiner anderen.“
Beatrice sah ihn nachdenklich aus ihren Rehaugen an. Sie sah regelrecht hilflos aus. Doch dann begann sie mit fester und überzeugter Stimme zu sprechen.
„Ja, davon bin ich fest überzeugt, Dam“, sagte sie und Damian konnte in ihren Augen lesen, dass es nicht nur leere Worte waren, die sie wählte, um einen traurigen Freund zu trösten.
„Wenn du den richtigen Menschen triffst, dann wirst du es nicht über dich bringen, sein Blut zu dir zu nehmen. Denk doch nur an Joshua
und Gabriel.“
Damian war bei der Erinnerung an Joshua schmerzlich berührt worden, aber trotzdem empfand er ein Gefühl des Trostes bei ihren Worten und sie gaben ihm die Hoffnung, irgendwann wieder eine Liebe zu finden. Noch befielen ihn immer wieder diese Zweifel. Aber dann rief er sich stets dieses Gespräch in Erinnerung und bemerkte, wie es ihn tröstete.
Die Liebe, sie gab dem Leben erst den richtigen Sinn. Sie schuf die Möglichkeit, die zweite Hälfte der eigenen Seele zu finden. Freunde, auch sie waren ein Teil des Puzzlespiels, welches das fehlende Stück der Seele darstellte, doch das wichtigste, größte Stück konnte nur von der wahren Liebe ausgefüllt werden. Von der Person, die man vermisste, ohne sie zu kennen. Ein unsterbliches Leben ohne dieses Teilstück erschien Damian schlimmer als der Tod. Damian hatte einst geglaubt Joshua wäre diese Person, aber diese Hoffnung war grausam zerstört worden. Er würde Joshua immer in seinem Herzen bewahren, doch er wollte die Ewigkeit nicht alleine verbringen.

Noch immer sah er das Mädchen neben sich an. Der Barkeeper hatte inzwischen den Wein vor ihnen abgestellt und jedem ein Glas eingeschenkt. Mal wieder war er in Gedanken versunken.
„Tut mir leid. Ich fürchte ich bin heute sehr abwesend. Aber ich werde mich bemühen jetzt ein besserer Unterhalter zu sein“, entschuldigte
er sich.
Sie schenkte ihm ein schüchternes Lächeln, das sich in ihren graublauen Augen widerspiegelte und strich sich eine Strähne ihres silberblonden Haares aus der Stirn, das so hell war, dass es schon fast weiß wirkte. Doch die Farbe war echt. Das erkannte er. Sie war schlank, doch nicht übermäßig, wie es jetzt die Mode war, sondern besaß die richtigen Rundungen an der richtigen Stelle. Damian ließ seinen Blick zu ihrem Gesicht zurückkehren. Ihr Make-up wirkte natürlich und dezent. Sie benutzte nur ein wenig bronzefarbenen Lidschatten, der perfekt zu ihrem gleichfarbigen Trägerkleidchen passte und Mascara. Auf Lippenstift hatte sie ganz verzichtet. Sie hob unter seinen erneuten Betrachtungen ihrer Person errötend das Weinglas.
„Prost“, sagte sie.
„Salute“, erwiderte Dam.
Er schenkte ihr, über den Rand seines Weinglases hinweg, ein sanftes Lächeln, das schon fast aufreizend wirkte. Sie spürte wie sich die feinen Härchen in ihrem Nacken aufrichteten, als sie das Funkeln in seinen Augen bemerkte. Er berührte sie nicht, doch verspürte sie seine Gegenwart am ganzen Körper. Diesmal konnte sie nicht aufatmen, als er den Blick senkte, nein. Die Schmetterlinge in ihrem Bauch tanzten weiter und sie fühlte im Gegenteil, eine tiefe Sehnsucht wieder in seinem Blick zu ertrinken, ihn zu berühren, ihn zu …
‚Hey, hey, hey Mädchen. Ruhig bleiben’, ermahnte sie sich in Gedanken.
Damian betrachtete sein verzerrtes Spiegelbild im Weinglas und lächelte still in sich hinein. Das Jagdfieber hatte ihn gepackt und er erlaubte sich kein Bedauern. Er hatte sich als das, was er war, akzeptiert und die Erinnerung an das Gespräch mit Beatrice hatte seine Bedenken hinweg gewischt.
‚Ich kann mir selbst bei der Jagd in die Augen sehen. Es hat lange gedauert, dieses Gefühl zu erreichen. Beatrice hat recht, sollte ich den oder die Richtige treffen, werde ich es wissen’, dachte er und richtete seine Konzentration entschlossen wieder auf Isabella.
Sie war schon fast da, wo er sie haben wollte. Wieder suchte er ihren Blick, webte die unsichtbaren Fäden seines Bannes. Sie war so süß. Er wollte, dass es schön für sie sein würde, dass sie es ebenso genießen würde wie er. Nein, er würde sie nicht töten. Er würde ihr einen Traum bescheren, an den sie immer gerne zurückdenken würde. Er nahm einen tiefen Schluck aus seinem Weinglas. Isabella tat es ihm gleich. Langsam, mit schon gezwungener Präzision in ihren Bewegungen, stellte sie das Glas wieder auf der Theke ab. Ihre Lippen glänzten vom Wein feucht und rot wie von Blut. Damian ließ seine Zungenspitze über die plötzlich trockenen Lippen gleiten. Diese Geste schien etwas in ihr zum Zerspringen zu bringen. Damian sah die Leidenschaft in ihren Augen aufflackern wie eine Kerzenflamme. Da neigte sich ihm Isabella zu. Ganz nahe kam ihr Gesicht dem seinen und endlich berührten sich ihre Lippen.
(c) Monika De Giorgi

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