Gruselig …

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Als Kind liebte ich es, wenn man mir „Gruselgeschichten“ erzählte, selbst wenn ich danach die halbe Nacht wach liegen würde.
Mein Großvater konnte wunderbar solche Geschichten erzählen und meine Mutter sammelt bis heute Horrorromane und hatte so schon in meiner Kindheit einen unerschöpflichen Geschichtenschatz aus dem sie ab und zu etwas für uns, in „kindgerechte“ Form gewandelt heraussuchen konnte. Besonders gerne wurden die Geschichten im Sommer, wenn noch alle nach Grillabenden oder ähnlichem im Garten saßen erzählt. Wenn es dann schon dunkel und still waren und nur Kerzen auf den Tischen leuchteten.
Ich weiß noch, wie es mir Gänsehaut auf die Arme zauberte und die Linie zwischen Realität und Fantasie verwischt wurde – denn waren diese Geschichten erfunden, waren sie wirklich nur Phantasie? Oder hatte die Großmutter, des angeheirateten Onkels, der Bekannten meiner Mutter wirklich den Geist ihres verstorbenen Mannes gesehen?

Und hier kommen mir zu meinem Thema: Was ist es, das sogenannte Gruselgeschichten für uns so spannend macht? Und was sorgt eigentlich dafür, dass wir Gänsehaut bekommen und eventuell sogar, uns selbst als albern belächelnd, lieber das Licht im Flur brennen lassen, wenn wir uns ins Bett legen?

Als Kind habe ich mich schnell und leicht gegruselt. Geistergeschichten und andere übernatürliche Erzählungen machten auf mich schnell Eindruck. Ich war schon immer mit einer recht lebendigen Fantasie gesegnet und so machten sich diese „Mitternachtsmärchen“ sich recht schnell in meinem Kopf selbständig und jeder Schatten am Fenster wurde zum Schreckgespenst.
Und die gleichnamige Stephen King Geschichte „Schreckgespenst“, die ich in einem heimlich in mein Kinderzimmer entführten Buch des Autors gelesen hatte, sorgte lange Zeit dafür, dass ich nicht schlafen konnte, wenn eine Schranktür in meinem Zimmer offen stand (eine ganze Weile stellte ich sogar einen Stuhl vor meinen Kleiderschrank, der verhindern sollte, dass sich die Türe eventuell öffnete). Die Geschichte hatte mir wahrlich Angst gemacht. Aber warum? Ich weiß es nicht.
Es war eine Kombination aus Fantasie, der Wortwahl des Autors und des subtilen Horrors den er darin verwendet. So ist es für mich bis heute: Allzu offensichtliches, Splatterfilme usw können mich nicht aus der Reserve locken und machen mir keine Angst (aber ich finde sie evtl. ganz lustig). Für mich sind es Geschichten, die mit der Angst spielen, die keine Schocker verwenden und langsam die Fäden spinnen und immer fester ziehen, die mir Schauer über den Rücken jagen und es eventuell sogar schaffen mich wach zu halten. Ich liebe beispielsweise: „Schatten der Wahrheit“ mit Michelle Pfeiffer und Harrison Ford – dafür finde ich Filme wie „Final Destination“ eher … langweilig (wobei der erste Teil noch ganz spannend war).

Einer der besten Horrofilme ist für mich „Deathwatch“. Ich habe ihn bei einem Videoabend das erste Mal gesehen und die Vorstellung danach eventuell noch mit dem Hund rauszugehen, war wirklich keine Schöne. Dieser Film lässt einem auch nach dem Abspann eine ganze Weile nicht los und ist Grusel pur.
Sehr starke Bildersprache, tolle Schauspieler, Kameraführung – alles passt bei diesem Film und macht ihn zu einem Horror-Meisterwerk.
Wenn man sich gruseln will – der Film ist meiner Meinung nach perfekt dafür.

Ein paar von Euch werden jetzt eventuell fragen: Was ist mit Paranormal Activity? Hast du den Film nicht gesehen.
Doch, habe ich: Aber ich mag solche Filme nicht. Ich kann diesen Videokamera-Stil nicht leiden und diese Gruselfratze am Schluss, hat das ganze ins lächerliche gezogen. Mich hat der Film nicht gefesselt, ich fand ihn eher langweilig, darum fällt er bei mir unten durch.

Zum Gruseln finde ich, sind selbst erzählte Geschichten oder Bücher, so oder so viel besser geeignet als Filme. Bei Filmen lässt es sich viel zu leicht sagen: Das ist nur ein Film – gesprochenes oder gelesenes Wort schleicht sich viel leichter ins Unterbewusstsein, es arbeitet mit den eigenen Schatten die in unserer Fantasie lauern und macht uns deshalb viel mehr Angst. Es lässt uns die Geschichte viel eher vor dem Einschlafen nochmal durchleben und macht es dadurch vielleicht unmöglich. Es arbeitet leise, schleichend, klammheimlich … Und sorgt deshalb dafür, dass die eigene Katze uns vor Schreck bis an die Decke springen lässt, wenn sie plötzlich vor uns über den Gang huscht. Es ist das unbekannte, ungesehene Böse, das in den Schatten lauert, das uns so mit Angst erfüllt – eine Kindheitsangst, die einen nie verlässt.
Geschichten, die nachwirken, die sich mit leisen Schritten unter die Haut schleichen und vielleicht gar nicht so offensichtlich „Gruselgeschichten“ sind – das sind die Besten und wirkliche Kunst.

Eine Gruselgeschichte zu schreiben, ist deshalb keine leichte Aufgabe finde ich: Wann ist eine Geschichte noch gruselig und wann wird sie eher künstlich und lächerlich. Wie fessele ich meinen Leser? Wie lasse ich eine Geschichte düster wirken, ohne sie zu sehr ins Klischee abrutschen zu lassen? Kann man gewisse sprachliche Bilder überhaupt noch verwenden, oder sollte man die Geschichte lieber abhaken und in der Schublade lassen? Wann wirkt es nur noch bemüht?
Und: Ist die Geschichte überhaupt gruselig? Wer ist als Testleser besser geeignet? Der abgehärtete Horrorfan oder jemand der sich leicht gruselt? Fragen über Fragen, die an sich manchmal schon gruselig werden können.
Aber auf der anderen Seite: Düstere Gänsehautgeschichten sind mir immer noch die liebsten, ob ich sie nun lese, schreibe oder erzählt bekomme und auf den dunklen Seiten der Literatur, bin ich deshalb immer noch am liebsten unterwegs.

5 thoughts on “Gruselig …

  1. Vollste Zustimmung. Insbesondere bezüglich der Grusel- vs Splatterfilme. Wobei mich Filme eh kaum noch schocken, aber ich werde mir deinen Filmtipp mal vormerken. Von vielen gehypte Filme wie Blair Witch Project fand ich ehrlich gesagt auch langweilig.
    Selbiges gilt im Übrigen für Gruselspiele. Als ich Silent Hill das erste Mal anno dazumal gespielt hatte, habe ich mich nach jedem Speicherpunkt überwinden müssen weiterzuspielen, auch das ist mittlerweile etwas abgeschwächt, man hat wohl schon zuviele Horrorelemente ausgereizt. Genau aus dem Grund ist es vermutlich auch so schwierig eine gute Gruselstory zu schreiben: Es müsste etwas Neues sein, was noch nie da war, das ist nicht einfach, aber eine Herausforderung, die ich beizeiten mal anzunehmen versuche.^^

    • Ja, einfach versuchen, wagen, sich herantrauen – im Schlimmsten Falle verweilt die Geschichte auf der Festplatte, im besten Falle gelingt es etwas Neues zu schaffen, das gerne gelesen wird.
      Ich wünsche Dir viel Glück dafür🙂

  2. Dem Autor, dem Erzähler oder dem Regisseur muss es gelingen, genau die Dinge möglichst intensiv zu zeigen, die uns am tiefsten ängstigen. Das sind bei jedem andere, und so ängstigen wir uns alle auch wohl individuell.
    So schreibt Stephen King seine Bücher: Er überlegt sich genau, wovor er selbst sich am meisten fürchtet, und gibt diesen Ängsten mit einer Geschichte Leben und Kraft. Hat er bei Friedhof der Kuscheltiere sogar recht detailliert so gemacht. Er lebte tatsächlich mit seinen kleinen Kindern direkt an einer vielbefahrenen Straße, und ein Friedhof für Tiere war auch einer in der Nähe.
    Und ob man Filme wie Blair Witch oder Paranormal A. gut findet oder nicht, liegt wohl zum Teil auch an der Form: Kann ich das Gezeigte in meine Ängste “übersetzen”? Ich fand Blair Witch Project extrem gruselig, sprich: Der Regisseur hat wohl direkter mit meinen Ängsten gesprochen als mit deinen.
    Schönen Gruß und weiter viel Spaß beim Schreiben.

  3. Pingback: Projekt „Angst“ « ~ Favolas de Mezzanotte ~

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