Ich kann nicht aufhören, an ihn zu denken …

Nein, dies wird nicht der Tagebucheintrag eines verliebten Schriftstellerleins, jedenfalls nicht direkt.
Postaweek schlug im Laufe dieser Woche vor, man solle über einen Buchcharakter berichten, dem man sich so nahe fühlt, dass man nicht mehr aufhören kann an ihn/sie zu denken.
Ein schönes Thema für Autoren und Leser. Ist es doch, jedenfalls glaube ich das, der Wunsch eines jeden Autors Charaktere zu schaffen, die dem Leser so Nahe gehen, dass er nicht mehr aufhören kann zu lesen, dass er das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte und wenn er gezwungen ist, dies doch zu tun, nur noch so schnell wie möglich zu diesem Buch zurückkehren möchte. Und für Leser ist es das schönste Erlebnis, ein solches Buch für sich zu finden.
Klingt strange, aber wer viel und gerne liest, wird sich sicher schon in dieser Situation wieder gefunden haben. Ich habe einige Bücher im Regal, bei denen es mir so ging und ein Buch zu erschaffen, bei dem es meinen Lesern genauso oder ähnlich ergeht ist mein Traum.
Während ich schreibe, ergeht es mir ähnlich, wie es mir als Leser ergeht.
Bin ich wirklich in einer Geschichte gefangen, möchte ich meine Zeit nur in ihr verbringen. Ich möchte nur schreiben, nur bei meinem Charakter sein und mich mit ihm und seinen Gefühlen und Erlebnissen beschäftigen. Ich gehe dann voll und ganz in diesem Projekt auf.
So kam es schon mal vor, dass ich beinahe meine Bushaltestelle verpasst hätte oder was für solche Zeiten besonders kennzeichnend ist, sind Augenringe, weil ich die Bettgehzeit weit übersehe.
Ich kann nicht aufhören an ihn zu denken … dann ist für mich nur er wichtig – Damian, Jay, David, Jamie – wer immer er gerade ist😉
Und so soll es meiner Meinung nach auch während des Schreibens sein. Nur dann lässt man der Geschichte ihren natürlichen Fluss. Ich denke, diesen Idealzustand für das Schreiben, habe ich schon einmal beschrieben, aber es ist einfach so, dass Schreiben dann am Schönsten ist.
Auf Facebook wurd letztens die Frage in die Runde geworfen, ob wir während des Schreibens an unsere Leser denken und meine Antwort war verneinend. So lieb und teuer, ihr mir seid liebe Leser – an Euch denke ich während des Schreibens nicht. Ihr tretet erst, während der Überarbeitungsphase in Erscheinung – dann denke ich, wie die Geschichte bei Euch ankommt, wie der Satz wohl von Euch aufgenommen wird und wo ihr mehr, oder auch weniger Information benötigt.
Aber ich denke, nur durch eine solche Mischung entstehen die Geschichten, die wirklich verschlungen und gerne gelesen werden. Geschichten in denen man sich vergessen kann und die ein kleiner Urlaub für die Seele sind. Denn nur wenn die Geschichte sich fließend liest, ohne angestrengt und gezwungen zu wirken, wird sie zu einem bannenden Leseerlebnis. Die harte Arbeit die dahinter steckt, darf der Leser nie spüren – nur dann kann er sie zu schätzen wissen.
Ein guter Autor schreibt nicht, um mit seinem komplizierten Wortschatz zu prahlen oder sucht verzweifelt nach möglichst komplizierten Symbolen und Metaphern. Er lebt für die Geschichte und dadurch auf gewisse Weise für den Leser.
Vielleicht denken wir, während wir die Geschichte das erste Mal aufschreiben nicht die ganze Zeit an Euch, aber im Hinterkopf und Herzen haben wir Euch, liebe Leser. Manche Projekte schreibe ich vielleicht noch nicht auf eine Veröffentlichung hin, aber wenn sie geschrieben werden wollen, möchten sie wahrscheinlich auch eines Tages von Euch gelesen werden. Und wenn ihr nach dem Lesen lächelt, wenn ihr Euch gerne an die Geschichten erinnert und wenn ich dann eine Nachricht bekomme, dass ihr die Geschichte „gefressen“ habt, dann hat sich für mich wieder ein Stück von meinem Traum erfüllt.
Und deshalb ist es gut, dass ich nicht aufhören kann an meine Charaktere zu denken – denn nur dann können solche Bücher entstehen.

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