Edens Asche – Engel der Dornen (Band 3) – Leseprobe (eine Art von)

Da das Video leider nichts geworden ist (blöde Cam T___T’) habe ich beschlossen Euch meine gelesenen Text her als “Leseprobe” zur Verfügung zu stellen. An sich ist es keine wirkliche Leseprobe, denn dieser Textabschnitt war noch nicht im Lektorat und wurde von mir auch erst einmal überarbeitet, heißt: Ich finde ihn zwar stark und spannend, doch evtl. wird er nicht so bleiben, wie er jetzt ist.
Gestrichen wird er nicht, denn es ist eine wichtige Szene und für den weiteren Handlungsverlauf von Bedeutung. Er kündigt etwas an … auch wenn das auf das erste Lesen für Euch vielleicht nicht erkennbar ist. Hier ist nun, meine Aufforderung zum fröhlichen Rätselraten, Vermutungen anstellen und ähmmm, sich über mich ärgern *Hundeblick*

Aber immer wenn ihr zu wütend auf mich werdet, klickt auf dieses Bild:

Tato❤

Im Winterwind konnte er sein Lachen hören. Es war ein wunderbares Lachen. Dieses Lachen hatte er an ihm am meisten geliebt. In dieses Lachen hatte er sich damals verliebt. Es war das Lachen eines Sterblichen, der über seine Maske, seine Pflichten, seinen Stand noch nicht vergessen hatte, wie man sich wirklich an etwas erfreut. Es war das Lachen eines Wesens, das noch Ehrlichkeit kannte und dessen Herz noch nicht gestorben war. Es war das Lachen eines Menschen, für den noch Freunde lachten und dem noch Arme offen standen. Es war das Lachen eines Geschöpfs, das nicht vergessen hatte, wie man Tränen vergoss und wie kostbar jede Sekunde sein konnte. Ein Lachen, das er selbst wohl nie mehr lachen würde, denn dafür müsste er sich seine Seele heraus reißen und eine neue einsetzen. Ein heißeres, verbittertes Geräusch kam über seine Lippen. ‚Welche Seele, Freund?‘, fragte er sich selbst düster und kuschelte sich tiefer in seinen Mantel – gegen eine Kälte, die kein noch so heißes Feuer je würde vertreiben können.
Sein Bild erschien wieder vor seinem geistigen Auge. So glücklich, so strahlend.
So schmerzvoll schön.
Doch dieses Lachen würde er nie wieder hören! Niemals wieder!
Er hatte ihn im Stich gelassen und ihm dieses Lachen genommen. Das war die schlimmste Sünde die er in all den Jahrhunderten die er nun diese Erde heimsuchte auf sich geladen hatte. Ihn schützen hatte er wollen und damit den schlimmsten Fehler seines … Lebens … gemacht.
Denn so hatte er ihn in Verzweiflung, Angst und Unglück gestürzt. Ihn, den einzigen den er je hatte für immer glücklich sehen wollen.
Wie viel Zeit, hätten sie haben können, doch er hatte sie verspielt.
„Und obwohl Du mich hassen solltest, rufst Du noch immer nach mir“, sprach er in den Wind, der immer noch an seinem Wintermantel zerrte, als wolle er ihn zum Tanz auffordern.
Noch war er hier in seinem kalten Heimatland, in das er zurückgekehrt war, nachdem er ihn allein zurückließ – sollte er es wieder verlassen. Zurück kehren, zu ihm?
Noch zögerte er, obwohl alles in ihm danach verlangte seinen Engel wieder zu sehen.
Diese Rufe waren leise, nur Echos von Träumen – sollte er ihnen wirklich folgen. Oder lieber tot bleiben, für den einst Geliebten. Die Geschichten die über ihn, nun zu ihm drangen … er konnte aus ihnen nicht erschließen, wie er handeln sollte.
Vielleicht wäre ein plötzliches Erscheinen für ihn fataler, als wenn er ihn … Er war gegangen. Er hatte damals die Entscheidung zu seinem Besten getroffen. Aber weshalb rief er nach ihm, als versuche er verzweifelt ihn zu finden? Seine Rufe waren schon verstummt gewesen, und nun .? Was, wenn … er in einer so verzweifelten Lage war, dass sein Geist sogar den letzten Anker, ihn, wieder hervorholte? Oder waren nur Erinnerungen auf irgendeine Weise wieder wachgerüttelt worden.
Oh, er wusste keinen Rat und auch keinen Ratgeber. Er war so einsam ….
Und hin und hergerissen. Sollte er gehen, oder sollte er lieber verweilen?
So lange war er nicht hier gewesen, dem Land seiner Geburt. Nicht mehr, seit er noch ein Sterblicher war. Dabei war er so viel gereist, hatte den Wandel der Zeiten in dieser Welt beobachtet, wie es irgendwann zur Natur aller Nachtkinder wurde. Sie waren rastlose Wanderer und Beobachter. Denn irgendwann begriffen sie alle, dass sie egal wie sehr sie selbst die Menschen nachahmten und von ihrem Fortschritt profitierten, kein Teil der menschlichen Gesellschaft mehr waren.
Doch ganz konnte man das Menschliche auch nicht ablegen, wollte man nicht werden, wie die Raubtiere. Doch manchmal hatte er sich gewünscht genauso zu sein, wie die Wölfe, die Löwen oder Adler. Unschuldig und frei. Ohne Gewissen und Hass.
Frei von der Angst Gefühle entwickeln zu können für einen Sterblichen. Liebe zu einem Sterblichen zu Empfinden war ein Gift das einen langsam von innen heraus zerfraß. Denn immer wenn man sie anblickte, sah man den Tod zurückgrinsen. Er ertrug das nicht.
Doch er hatte auf bittere Weise erlernen müssen, dass es ihm auch nicht besser erging, wenn er sich in einen der ihren verliebte. Sie waren vor dem Tod nicht gefeit, die bluttrinkenden Todesengel der Nacht. Die Vampire.

Todesengel.

Sie trafen sich an Bahnhöfen, Bushaltestellen, in verrauchten, schmutzigen Kneipen, in nächtlichen Straßen. Er und die Einsamen, deren Herz ebenso schmerzte, wie das Seinige. Er war ihr Todesengel und für einen kurzen, seligen Moment war keiner von ihnen mehr einsam. Sie liebten sich. In einem Leben, in dem das Schicksal ihnen die Liebe verbat, stahlen sie sich diesen Moment des Glücks. Nicht einsam zu sterben, das war sein Geschenk an jene, die den Tod suchten und nicht den Mut fanden ihn selbst auf sich herabzurufen.
Traurig schüttelte er den Kopf. In seiner Melancholie hatte er nicht darauf geachtet wohin seine Schritte in trugen und so schritt er inzwischen eine verlassene Landstraße entlang. Prüfend blickte er sich um. Schnee hatte wieder zu fallen begonnen, legte sich auf seine Schultern und sein Haar. Eigentlich hatte er nur einen kurzen Spaziergang machen wollen, aber er war weiter gelaufen, als er dachte.
Dann erfassten ihn die Scheinwerfer eines Autos, brachten Eis und Schnee zum Glitzern.
Aus irgendeinem Grund blieb er stehen und hob den Daumen, als Zeichen das er um Mitfahrt bat. Reifen rutschten auf Schnee als der Fahrer auf die Bremse stieg. Ja, der Wagen hielt. Die Fahrertür öffnete sich.
„Alex? Du?“ Unsicher streckte eine junge Frau den Kopf aus dem alten Opel, die Hand am Türgriff. Sie war jederzeit bereit sie wieder zuzuschlagen und wegzufahren.
„Ja“, antwortete er scheinbar ebenso unsicher.
„Was machst du denn hier?“ rief sie daraufhin aus.
Er antwortete nicht. Heute war er Alex, morgen Nacht ein anderer. Ihr Todesengel erschien ihnen immer in der Gestalt eines verlorenen Lichtes. Ob Geliebter, Freund, Vater oder Bruder. Er war sie alle. Das war seine Gabe, sein Fluch, die über ihn kam als er damals den Klauen des Todes entrissen wurde. Doch es war sein Geschenk an sie. Die am meisten vermisste Person geleitete sie in das Reich des Todes. Zum Beherrscher alles Sterblichen und Unsterblichen. Denn wahre Unsterblichkeit – sie war nur eine Illusion. Die kannten nur die Götter. Und ob es sie überhaupt gab – die Götter? Das hatte auch er nie erfahren. Aber es gab den Tod, das konnte niemand bezweifeln. Jetzt glaubte er. Jetzt, wo es zu spät war. Er brachte ihm keine Opfer, verehrte ihn nicht. Aber er glaubte.
„Jetzt mach schon Alex. Steig ein. Du holst dir den Tod!“ forderte sie ihn nun auf.
„Du holst dir den Tod“, wiederholte er unhörbar, bei sich selbst. „Liebes, wenn du wüsstest.“
Sie öffnete von innen die Beifahrertür für Alex. Alex – sie wählten die Gestalt selbst. Sie blickten ihn an und sahen die Person, die sie sich insgeheim am meisten in ihrer letzten Stunde an ihrer Seite wünschten. Er hatte das Geheimnis nie ergründen können, weshalb nie mehrere Menschen gleichzeitig auf ihn zutraten, unterschiedliche Personen in ihm erblickend. Er musste nur darauf achten, dass sie unter sich blieben, wenn sie ihn gefunden hatten. Denn sobald jemand sagte: „Das ist doch nicht …”, wurde der Bann aufgehoben.
Doch tief in ihrer Seele, wusste sie alle wer er wirklich war. Dort erkannten sie die Wahrheit. Aber sie lebten lieber die Illusion als die Wirklichkeit, wie es die Natur der Menschen war und auch der Vampire.
Im Wagen blickte er sie zum ersten Mal richtig an. Sie war noch jung, höchsten 25. Er unterdrückte ein Seufzen. Sie waren so oft jung, wenn sie zu ihm kamen, von Todessehnsucht erfüllt.
Sie hatte ein schmales, blasses Kindergesicht, umgeben von dunklen Puppenlocken. Große, blaue Augen hielt sie konzentriert auf die Fahrbahn gerichtet, umgeben von viel zu langen Wimpern, um nicht von diesen Augen berührt zu werden. Sie sah aus, wie er, nur waren ihre Züge natürlich weicher, viel femininer. Er hätte fast geschrien, als sie ihn anblickte.
„Alex, wo warst du?“ fragte sie nun. „Deine Mama erzählte mir schon vor zwei Jahren, dass du in Deutschland gestorben wärst. An einer Überdosis.“
„Ich habe nie Drogen genommen”, erzählte er ihr, was sie hören wollte.
Was sie sich damals zuerst selbst eingeredet hatte, als sie immer wieder Briefe an Alex‘ Adresse in Deutschland schrieb, bis ihr sein Mitbewohner letztendlich aus Mitleid eine Antwort schickte.
„Aber dein Mitbewohner…”,
„Hat gelogen!“ erwiderte er.
„Warum hast du mir nicht geschrieben.“
„Ich wollte Tod sein für euch alle. Ich hatte Angst vor euch. Vor allem vor dir.“
„Warum vor mir?“ Entsetzt blickte sie ihn wieder an.
„Weil ich dich liebe. Ich wollte etwas Besonderes werden für dich. Aber ich habe es nie geschafft. Deshalb wollte ich lieber tot sein.“
„Oh Alex. Aber ich habe doch nie etwas von dir verlangt.“
„Nein, aber ich habe es von mir verlangt. Du warst ein Engel und ich war nur ein dummer, grüner Junge!“
„Soll ich dich zu deinen Eltern bringen?“ fragte sie nun, das Thema wechselnd um, doch in ihre blassen Wangen war etwas Farbe getreten
„Nein“, Er schüttelte den Kopf: „Ich bin wegen dir hier”, erklärte er. „Ich bin wegen dir zurückgekommen.“
„Aber nicht aus Deutschland”, sagte sie leise, mehr zu sich selbst, als zu ihm.
Er lächelte. Ja, die Seele wusste. Aber der Mensch begriff nicht immer, was er wusste.
Im nächsten Moment bog sie in eine Auffahrt ein, die kaum befahrbar erschien. Doch sie manövrierte das ächzende Fahrzeug geschickt durch die enge, eis- und schneebedeckte Allee aus verwilderten Sträuchern bis sie nach ca. fünf Minuten vor einer windschiefen Holzhütte hielten, die zu einem kleinen Gehöft gehörte.
Unaufgefordert stieg Alex aus und öffnete die Brettertüren, damit sie ihr Auto hineinfahren konnte. Als er durch die Windschutzscheibe in ihr Gesicht blickte, das ihn in bleicher Erwartung anstarrte war er wie gebannt von ihrer engelhaften Erscheinung. Alles an ihr, erschien ihm so sanft und so gütig. Ja gütig. Sie brachte es nicht einmal über das Herz, den Typen der sie verlassen hatte durch die Kälte laufen zu lassen, obwohl dieser offensichtlich nicht kurz davor war zu erfrieren. Stattdessen nahm sie ihn mit und hörte sich Beteuerungen an, die genauso verlogen sein konnten, wie die einstigen.
„Stop!“ bremste er sich selbst. „Du vergisst, dass du es nicht warst, der ihr Versprechen machte. Du bist nicht wirklich ihr Ex-Freund. Und sie ist es, die etwas von dir erwartet. Sie fand dich, weil sie dich insgeheim schon lange suchte.“
Gequält atmete er durch und gestand sich ein: Er wollte das Mädchen nicht mehr töten. Er wollte sich an ihrer Güte nähren, wie an anderer Sterblicher Blut. Er wollte sich satt trinken an ihrer Liebe, bis sein Herz zerbarst. Er versank in ihrem sensiblen Blick, der seinem so ähnlich war. Und da waren sie wieder, diese schmerzenden Erinnerungen, von denen er heute nicht lassen konnte. Er bemerkte, dass er zitterte, doch nicht die Kälte war es, die ihn dazu brachte.
Oh, wie kostbar waren diese Momente gewesen. Wie sterblich. Blicke, gestohlen in Momenten, nur kurz und doch so intensiv, dass sie Seiten füllen hätten können. Berührungen, so zart und doch voller Begehren und Emotion. Bilder die er schon lange zu vergessen gehofft hatte, stiegen vor seinem inneren Auge auf. Wunderschöne, folternde Bilder. Bilder die er einst für immer hatte bewahren und später für immer vergessen wollte. Glänzende Augen, ein berückendes Lächeln, weiße Haut – so kalt so glühend an seine geschmiegt. Lippen, so sündig süß, Küsse voller süßer Versprechen, bestimmt Verzweiflung und Schmerz zu sähen.
„Kommst du?“ schreckte ihn ihre Stimme aus den sehnsüchtigen Träumen. Die Bilder verblassten, die Sehnsucht nicht ….
Er hatte gar nicht bemerkt, dass sie ihren Wagen an ihm vorbei in die behelfsmäßige Garage gefahren und abgestellt hatte und nun frierend neben ihm stand und ihn fragend anblickte.
„Komm schon, du brauchst keine Bedenken zu haben. Sie sind nicht da.
Der Vampir begriff, dass sie glaubte er habe Furcht ihren Eltern zu begegnen, die bestimmt nicht erbaut wären Alex wieder zu sehen. Nun, das wäre wirklich schlecht, aber daran hatte er noch gar nicht gedacht.
„Ja”, sagte er schlicht und folgte ihr den rutschigen Pfad zum Haus hinüber, sich fragend wie der Abend enden würde.

War es nicht ironisch, dass er nun zum Engel derer geworden war, die dem Leben entkommen wollten. Er dem die Flucht gelungen war, auf eine Weise, die sich diese Wesen nicht einmal erträumen konnten, da ihre Träume vor langer Zeit zerstört worden waren.
So wie seine … Die Flucht in ein neues Leben, bringt sie wirklich Erlösung? Die Flucht in den Tod, bringt sie wirklich Erlösung? Auf beide Fragen, kannte er die Antwort nicht und insgeheim, fürchtete er sie wohl.

Na, hat Euch der Auszug gefallen? Ich hoffe es doch sehr. Ich weiß, es ist ein fieser Teaser und ich gebe zu, ihn genau wegen dieser Eigenschaft ausgesucht zu haben.
Aber denkt immer daran:

Tato❤

Wer kann schon länger wütend sein, wenn er den lieben “Tato” ansieht?

Ich ergreife jetzt mal die Flucht.

Hab Euch lieb!
Moni :*

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