Adriens Schwingen (Kurzgeschichte)

Hallo liebe Leser,

hier kommt sie, wenn auch mit einigen Stunden Verspätung – die Halloween-Shortstory.

Diese Geschichte beeinhaltet einige, nennen wir sie in Ermangelung eines besseren Wortes, Ausnahmen.

Erstens ist das Setting M/F – also für mich eher ungewohnt, weshalb ich mit der Geschichte wirklich kämpfen musste.
Ich habe sie zweimal abgebrochen, bevor ich schließlich damit fertig wurde.
Man merkt es der Story hoffentlich nicht an, aber “Belle” die Hauptdarstellerin und fochten einige Kämpfe miteinander aus.
Das kleine Miststück ließ mich sehr lange im unklaren darüber was sie letztendlich von Adrien will.

Zweitens habe ich mit dieser Geschichte dem Wunsch mehrerer männlicher Leser/Fans nachgegeben doch wieder eine Dame ins Spiel zu bringen. Möglichst eine Dame die sich von ihrer verführerischen Seite zeigt.
Voila: Das Ergebnis ist “Belle”.
Entgegen meiner Worte oben, kann ich Belle sogar ganz gut leiden und eventuell werde ich mir mal wieder ein paar Kämpfe mit ihr leisten. Denn es ist ein gutes Gefühl die Story nun fertig zu haben.

Ihr könnt sie hier lesen:

Adriens Schwingen

Tanzende Schattengestalten drängten sich um ihn, sich bewegend mit der Musik und er mitten unter ihnen. Er fühlte sich glücklich, frei und gelöst – endlich. So frei hatte er sich schon lange nicht mehr gefühlt. Die Energie, das Leben in diesem Raum schien ihm Rhythmus der raumfüllenden Klänge durch seine Adern zu pulsieren. Er fühlte sich wie berauscht und in gewissem Sinne war es das wohl auch. Doch nicht von Drogen oder Alkohol.
Alleine die Präsenz all des menschlichen Lebens in dieser ehemaligen Fabrikhalle schien ihn heute nahezu mit Menschlichkeit und ihrer Wärme zu erfüllen. Er lachte, er tanzte, er sang – er war lebendig. Auch wenn es nur eine Illusion war … Er schüttelte den Kopf und reckte seine Hände den Scheinwerfern entgegen. Wie Klingen wirkten sie zwischen seinen schlanken Fingern. Wie die Klingen die seinen Lebensfaden aus dem Geflecht seines alten Daseins geschnitten hatten. Kalt und gleichgültig. Dabei hatte er nur Fragen gestellt. Nur Fragen gestellt … Doch Fragen hieß Zweifeln und zweifeln hieß nicht glauben und nicht glauben hieß …
Da waren sie wieder dahin, Frieden, Freiheit und Lebensfreude … Die Musik wechselte. Ein alter Rocksong schallte nun durch die Halle. Viele verließen die Tanzfläche, andere blieben, den Text mitsingend und Adrien überlegte, für wie viele von ihnen der Text eine Bedeutung hatte und wie viele ihn nur mitgröhlten, weil sie ihn seit Jahren kannten und sie ihn untrennbar mit Bier und Party verbanden. Er seufzte.
„Damit bemerkt man wohl am deutlichsten, dass ich eigentlich nicht hierher gehöre …,“ murmelte er zu sich selbst, während er den Blick mehr in sein Inneres, als auf seine Umgebung gerichtet an die Bar wanderte. Leise für sich, sang er dabei den Text mit, der einen aufforderte den Tod nicht zu fürchten, ihm die Hand zu reichen und sich ihm zu überlassen. Für ihn hatte dieser Song durchaus eine tiefere Bedeutung. Er hatte dem Tod sehr oft die Hand gereicht, viel öfter als wohl jeder Mensch hier im Raum, dabei wirkte er kaum älter als die meisten von ihnen. Und in seinen Chucks, den modisch, engen Jeans und dem schmalgeschnittenen T-Shirt mit frechem Print stach er auch nicht aus der Masse, das dachte er jedenfalls.

Doch eine Person im Club hatte ihn durchaus bemerkt, zuerst nur, weil sie ihn hübsch fand, den jungen Mann mit den glänzenden blonden Haaren und leuchtenden blauen Augen, die in einem Moment so lebensfroh und im nächsten Moment so nachdenklich wirken konnten und dann weil sie bemerkte dass er mehr war, als er den Anschein hatte. Er war keiner der typischen, kurze Röcke jagenden, literweise Bier trinkenden Stammgäste des „Belle“. Sie erkannte es an seiner Aura, die ihn umgab wie ein paar lodernder Schwingen. Die die aller anderen überstrahlte, wie ein Leuchtfeuer, wenn sie sich auf ihn konzentrierte.
Sie erkannte ihn, als ein ihr gleiches Wesen. Doch was bedeutete sein Erscheinen, ausgerechnet hier? Das galt es herauszufinden.
Die Musik wechselte und es schien als würde er aus einem Traum erwachen. Sein für ihren Geschmack etwas kantiges Gesicht zeigte regelrechte Überraschung als hätte man ihn aus dem Schlaf, oder tiefen Gedanken geweckt. Doch er fing sich schnell, seine vollen Lippen zeigten nun ein höfliches Lächeln als er den Barkeeper ein Zeichen gab, dass er bestellen wollte. Sie bemerkte wie anmutig er sich bewegte – ob er immer so elegant war? Es war so lange her, seit sie einen … Sie kippte den Rest ihres Longdrinks und glitt vom Barhocker. Keine Zeit den Gedanken nachzuhängen und fröhliches Rätselraten zu spielen. Sie musste ihn stellen und befragen!
Adrien wusste, es war ihm nicht gelungen seine Reaktion zu verbergen. Zu sehr hatte es ihn erschreckt ein anderes Wesen wie sich selbst zu spüren. Er wusste natürlich, dass es andere wie ihn, die hier auf Erden lebten gab, nicht wenige sogar, doch eine Stadt wie diese gehörte normalerweise nicht zu ihren bevorzugten Revieren, weshalb er sie sich gewählt hatte. Nur selten trog ihn sein Instinkt, so dass er es nun schon eine ganze Weile geschafft hatte anderen seiner Art aus dem Weg zu gehen. Nun, dass ihm das nicht für immer gelingen konnte, dessen war er sich bewusst, aber man hoffte doch immer. Dabei stand ihm Hoffnung gar nicht zu.
Nicht dass er feige war, er wollte einfach nur seine Ruhe und Begegnungen mit anderen Engeln bedeuteten immer Ärger. Die Frage zu wem man gehörte, die Frage wie hoch man im Rang stand, die Frage welche Ziele man verfolgte und der Unglaube, dass es tatsächlich welche unter ihnen geben sollte, denen alles gleichgültig war, so wie ihm. Er wollte einfach nur in Frieden … leben. Frieden, Leben und Engel – drei Worte die nicht zusammen passten, auch wenn die Menschen vielleicht anderes lernten oder glaubten. Doch dies stand auf einem Blatt Papier, das Adrien schon lange nicht mehr zur Hand genommen hatte und für lange Zeit nicht mehr zu berühren gedachte. Er brauchte es nicht zu lesen, denn er brauchte keinen Glauben zu nähren, er wusste und wünschte sich oft, er wüsste nicht. Ach könnte er sich doch der Ignoranz hingeben, wie die ihn umgebenden Feiernden, Trinkenden, Tanzenden. Aber dies war ein vergeblicher Wunsch.
Während er diesen Gedanken nachhing, blickte er sich aufmerksam um. Ließ seine Augen über Gesichter und Gestalten gleiten und ahnte doch, dass es aussichtslos war. Die Präsenz des anderen, ihm ähnlichen Wesens wurde nicht deutlicher, aber auch nicht schwächer. Er würde es nicht finden und auch nicht kategorisieren können, bevor es nicht beschloss sich zu zeigen oder er es durch Zufall fand. Zu gut tarnte der andere sich. Er zweifelte nicht daran, dass der andere wusste, dass er hier war. Oder spürte es wie er, einfach die Anwesenheit seinesgleichen und beschloss sich im Verborgenen zu halten? Adrien wusste nicht, worauf er hoffen sollte … Ungewissheit, war nichts das er mochte. Er nahm einen Schluck von seinem Bier und überlegte ob er den Club verlassen sollte. Doch dies könnte als Flucht gedeutet werden? Er wollte eine Entscheidung treffen, die ihm eine Konfrontation, vor allem eine gewaltsame Konfrontation möglichst ersparte. Er war von dort geflohen, weil er genug von Gewalt und Kämpfen hatte. Adrien konnte nicht glauben, dass der Kampf sein Lebensinhalt sein sollte und er geschaffen worden war, um Krieg und Tränen zu sähen. Manchmal war es ihm so erschienen … Er war gut darin und gerade das ekelte ihn an. Vor allem immer dann, wenn er die Bilder sah, die sich so viele Menschen von ihnen machten: Ätherische Wesen, mit weißen Flügeln voller Sanftheit, Liebe und Licht, die ihre Hände und Schwingen beschirmend über Gottes Schöpfung hielten. Adrien schnaubte abfällig: Nichts könnte der Wirklichkeit ferner sein!
Die Menschen beschirmen, gehörte nicht wirklich zu ihren Aufgaben: Einschüchtern, strafen, martern, töten, rächen – das war seine Zuständigkeit in den himmlischen Heerscharen gewesen.
„Sei gegrüßt, Krieger“, sprach ihn da eine weiche weibliche Stimme an.
„Sei gegrüßt, Krieger“, erwiderte er höflich ihren Gruß und wandte sich ihr zu.
Sie hatte sich einen weiblichen Körper gewählt und das als „Krieger“, ungewöhnlich, aber nicht ungesehen.
Sie war wunderschön und wirkte so weich wie ihre Stimme. Ihr Haar fiel in seidigen, dunkelbraunen Wellen, um ein zartes Gesicht, das zu einem jungen Mädchen von ca. 19 Jahren gehören zu schien. Porzellanteint, Rosenlippen und goldbraune Augen die groß und unschuldig glänzend in die Welt blickten. Sie war kleiner als er, weiblich gerundet – alles an ihr sprach den männlichen Beschützerinstinkt an. Welch ein Hohn! Wie gut, dass er einen solchen nicht besaß! Doch wie vielen Männern, oder auch Frauen dieses Aussehen wohl schon zum Verhängnis geworden war?
Denn ihre Aura, war schwarz, schwärzer als die Seele Asmodis. Wer war sie?
‚In was bin ich hier geraten?‘, schoß es ihm durch den Kopf, während er und die Kriegerin sich gegenseitig musterten und versuchten die Macht des anderen einzuschätzen.
Nun Adrien war erfahren genug zu wissen, dass sie ihm was Macht und Kraft anging überlegen war – man durfte ihresgleichen nie nach dem Aussehen beurteilen. Und nun wusste er auch, weshalb sie das verführerische Äußere eines reizenden jungen Mädchens gewählt hatte.
„Da will man sich einen Abend amüsieren und dann so ein Glücksfall. „Ein Engelchen läuft mir über den Weg. Wie schön. Du kommst mir sehr gelegen, denn es fing gerade an mir langweilig zu werden.“, sprach sie aus, wohin seine Überlegungen gingen.
„Tut mir leid, ich denke wir haben unterschiedliche Vorstellungen von guter Unterhaltung , Schätzchen“, entfloh es ihm, bevor er sich auf die Zunge beißen konnte.
Wohin war nur seine Vernunft verschwunden?
„Aber nein! Beunruhige dich nicht. Du wirst mich sicher blendend unterhalten“, erwiderte sie zuckersüß und schenkte ihm ein verführerisches Lächeln das den meisten sterblichen Männern wohl direkt in die Lenden gefahren wäre.
Den meisten Sterblichen, aber nicht ihm! So lange lebte er noch nicht auf Erden!
„Sorry, aber ich wollte gerade gehen“, entgegnete er – einen Versuch war es wert.
Doch was in TV-Serien nicht funktionierte, war auch hier kein Erfolg beschieden, sie lachte nur ein spöttisches, aber nichtsdestotrotz melodisches Lachen, wobei ihre goldenen Augen vor boshaftem Vergnügen funkelten.
„Aber nein, du wirst ein Mädchen doch nicht enttäuschen. Sei brav und setz’ dich zu mir an die Bar“, bestimmte sie und griff nach seiner Hand.
Sanft und warm war ihre Berührung, doch er konnte sich ebenso wenig lösen, als hätte sie ihn in eiserne Ketten gelegt, denn schon fuhr sie fort: „Denn du möchtest doch nicht, dass ich einen Wutausbruch bekomme. Wenn ich zornig werde geht gerne mal etwas zu Bruch: Gläser, Flaschen, Menschen“.
„Weshalb sollte mich das interessieren?“, erkundigte er sich betont unterkühlt.
„Oh, das tut es“, stellte sie selbstsicher lächelnd fest und leider hatte sie recht.
Adrien war nicht von „Oben“ geflohen, weil ihm die Menschen egal waren, sondern weil sie ihm nicht … nicht mehr … egal waren, weil sich der neue Stil nicht mit der Botschaft des Sohnes vertrug, der nicht umsonst auch versucht hatte auf Erden zu leben. Aber ihm war schon ein Strich durch die Rechnung gemacht worden … Trotzdem versuchten es immer wieder Himmelskinder. So auch er.
„Weißt Du weshalb dieser Club „Belle“ heißt?“ fragte sie höflich und führte ihn zu einem leeren Hocker an der Bar. Elegant glitt sie darauf, ohne seine Hand loszulassen.
„Was wird das? Smalltalk?“ Er starrte sie konsterniert an. „Genau das. Und du bist jetzt ein Gentleman und gehst auf die Lady ein, die sich nett mit dir unterhalten möchte.“, ermahnte sie ihn und winkte den Barkeeper zu sich, der natürlich sofort alles stehen und liegen ließ, um zu ihr zu eilen. Er schnaubte.
„Also schön, nein ich weiß nicht, weshalb der Club „Belle“ heißt und wäre sehr erfreut, wenn du mich über die Herkunft des Namens aufklären würdest.“, gehorchte er mit einem süffisanten Lächeln.
„Das Belle trägt meinen irdischen Namen. Es war ein Geschenk meines Vaters an seine liebende Tochter. Es ist mein schönstes Spielzeug“, gab sie ihm Auskunft und zwinkerte ihm über ihr pinkes Cocktailschirmchen hinweg an, das denselben Farbton hatte wie ihre langen Fingernägel.
„Spannende Story.“, konstatierte er trocken.
„Du begreifst nicht, oder? Nun ja – wir haben ja noch etwas Zeit. Die Nacht ist jung!“, verkündete sie und hob ihr Glas, um mit ihm anzustoßen.
Ehe er sich’s versah hob er seine Bierflasche und ließ sie sacht gegen ihren Drink klirren.
„Ich bin Belle“, stellte sie sich noch einmal, diesmal deutlich vor.
„Hier bin ich Adrien.“, ließ er sich auf ihr Spiel ein, das ihn gegen seinen Willen amüsierte.
Aber nun ja, im Moment sah er eh keinen Ausweg, also konnte er sich auf dem Weg in die Hölle, wenigstens amüsieren – und dorthin war er im Augenblick im wahrsten Sinne des Wortes unterwegs.

Belle musterte den Engel der sich ihr gegenüber mit dem Ellenbogen an die Bar lehnte. Sie hielt nicht mehr seine Hand, blickte ihm nicht direkt in die Augen, doch er blieb bei ihr. Er war zu klug, um die Flucht zu ergreifen – konnte er doch nicht wissen, dass sie nur geblufft hatte, weil er sie neugierig machte. Sie würde nie ihr Lieblingsspielzeug, ihre Heimat, gefährden. Außerdem war er genauso neugierig auf sie, wie sie auf ihn.
Dass er nicht erraten hatte, wer sie war, machte ihn noch nicht zum Hohlkopf. Er hatte ja noch etwas Zeit.
„Was bringt dich ins „Belle“? Die gute Musik, unsere Drinks oder bist du auf der Suche nach Spaß?“, erkundigte sie sich und schenkte ihm ihr bezauberndstes Lächeln.
Er erwiderte es und sie bemerkte, dass ihr eigenes Lächeln echter wurde. Selten, dass sie wirklich lächelte. Ja, selbst Höllenkinder konnten wahre Freude, wahres Lächeln empfinden. Sie konnten sogar wirklich lieben. Es war nicht der Mangel an Emotion, der dafür gesorgt hatte, dass ihr Vater damals den Himmel verlassen musste.
„Von allem ein bisschen, denke ich.“, antwortete er und es klang das erste Mal weder spöttisch, noch unterkühlt – sondern einfach ehrlich.
Als sie ihn anblickte lag ein leises Lächeln um seine Mundwinkel. Natürlich war er noch wachsam und vorsichtig, aber da war auch dieses Lächeln. Er sah gut aus wenn er lächelte, wenn auch mehr wie ein frecher, kleiner Junge, als ein himmlischer Krieger – aber sie sah auch nicht aus wie Menschen sich wohl die Tochter des Höllenfürsten vorstellen würden.
„Dann hoffe ich, du hast in meinem kleinen Reich gefunden, was du suchtest?“, sagte sie leichthin.
„Hatte ich, bis du mich entführtest und ich begann mich zu fragen, ob ich dieses kleine Reich je wieder verlasse.“
Er grinste schief, doch seine Augen blickten ernst auf sie herab.
Es machte ihr nichts aus, dass sie zu ihm aufblicken musste, sie wusste, dass sie ihm überlegen war. Deshalb erwiderte sie lediglich sein grinsen.
„Wir werden sehen.“, neckte sie ihn.
„Eine klare Aussage ist wohl zu viel verlangt?“
„Natürlich, das würde mir einen Großteil meines Spaßes rauben.“, sie lachte auf und zu ihrer Überraschung stimmte er mit ein und prostete ihr anerkennend zu.
„Dann bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als dich möglichst gut zu unterhalten, Belle und auf Gnade zu hoffen.“
„Genau.“, stellte sie fest und schenkte ihm ihr Katzenlächeln.
Seine blauen Augen blitzten sie frech an und sie bemerkte, dass ihr Herz einen Satz machte, wie es die Menschen nannten. Nicht gut. Gar nicht gut. Aber trotzdem: Sie beschloss sich heute gut zu unterhalten – mit dem Feuer zu spielen lag in ihrer Natur.
„Und was stellst du dir so vor?“, erkundigte er sich fragend eine Augenbraue hebend.
Sie bemerkte die Anspannung, die sofort von ihm ausging. Der Hauch Entspannung, den sie ihm zuvor entlockt hatte, war wieder verflogen, als hätte er nie existiert.
Doch sie hatte Zeit. So streckte sie nur ihre Hand aus und zog ihn auf die Tanzfläche.
Wie auf ein geheimes Kommando wechselte die Musik zu einem verführerischem Beat, der für Belle komponiert worden zu sein schien.
Sie bewegte sich mit der Musik, auf eine Art die Adrien in den Bann schlug, wie eine magische Formel. Sie war wunderschön, es war berückend sie tanzen zu sehen – er war hingerissen. Wie von selbst passte er sich ihrem Tanz an, legte seine Hände auf ihre schlanke Taille, spürte ihre weiche Anschmiegsamkeit. Es war atemberaubend und er reagierte auf eine Weise, auf ihre Nähe, die er nur mit Lust benennen konnte. Lust! Gefahr und doch konnte er sich nicht von ihr lösen – es schien ihn im Gegenteil noch näher an sie zu drängen. Tief sog er ihren Duft in seine Lungen – sie roch wie die Rosen im Garten des Herrn. Sinnlich, verboten und elysisch. Sie lächelte ihm zu, so frech, so verführerisch und er lachte laut auf. Seltsame Euphorie ergriff ihn, als er mit ihr über die Tanzfläche wirbelte. Lauthals sang er den Song mit und ihre Augen strahlten ihn an und ihm war als hätte er noch nie etwas Schöneres gesehen. Und wenn ihre Fingerspitzen seine Haut berührten, ihr Atem seine Wange küsste durchfuhr ihn jedes Mal ein Schauer kleiner Blitze. Ihre goldenen Augen hielten die seinen gefangen, ihre Berührung war alles was er noch ersehnte und er wusste, wenn er nicht bald die Tanzfläche verließ war er verloren. Wollte sie ihn verführen?
Er leckte sich die plötzlich trockenen Lippen. Sie blickte ihn an. Ihre Augen funkelten. Sie lächelte sinnlich.
„Was willst du?“, raunte er warnend.
Sie schüttelte den Kopf: „Nein Adrien. Die Frage ist was Du willst?“, widersprach sie sanft. „Trick or Treat?“
Forschend blickte sie ihm in die Augen, und ihm war es, als erkenne sie seine geheimsten Wünsche und Gedanken. Konnte dies möglich sein. War er schon so lange unter den Menschen, dass er verlernt hatte seine Gedanken und Träume zu verbergen? Er hoffte nicht. Trotzdem wandte er den Blick ab.
„Es ist uns verboten.“
„Verbotene Wünsche“, schnurrte sie, doch das Funkeln ihrer Augen erstarb.
Sie sah beinahe traurig aus.
Im nächsten Moment schlang sie ihm die Arme um den Nacken und ihre Lippen lagen auf seinen.
Süß. So verboten süß. Einen Sekundenbruchteil, eine sinnliche Ewigkeit, war er wie erstarrt. Dann schloss er die Augen und straffte sich. Entschlossen löste er sich von ihren weichen Rundungen, auch wenn sein ganzer Körper dagegen protestierte.
„Heute ist Halloween, Adrien. Die Nacht an der alle Grenzen verwischen. Du musst nur deinen Wunsch äußern, Trick or Treat?“
Sie hob eine ihrer eleganten Augenbrauen.
Nun war es an ihm, eine seiner strengen, goldenen Augenbrauen zu heben.
„Du weißt, dass dies für uns nicht gilt.“
„Es liegt dir zu entscheiden, was für dich gilt. Du bist keiner mehr von ihnen.“
Sie warf einen bedeutungsvollen Blick zur Clubdecke.
„Aber auch keiner von Euch.“
„Wenn du dies glaubst.“
„Was willst du damit sagen?“
Sie lächelte katzenhaft und zuckte mit den Schultern. Dann ergriff sie wieder seine Hände und zog ihn in die Mitte der Tanzfläche.
„Komm, feier mit mir.“, flüsterte sie dicht an seinem Ohr. Ein Schauer glitt durch Adriens Körper, als striche ihr Atem nicht nur über sein Ohr, sondern liebkose seinen ganzen Körper.
Lächelnd stellte sie fest, dass sein Blick sich verschleierte und er erbebte, doch dann straffte er sich wieder, aber er grinste ihr zu.
Sie machte ihn neugierig und Neugier, war eine Schwäche der meisten männlichen Wesen, ob sterblich oder geflügelt. Und er machte sie neugierig und sie gestand sich ein, das war auch ihre Schwäche. Aber sie erlaubte sich ihr nachzugeben, und sie hoffte er tat dasselbe.
Sie warf einen Blick über ihre Schulter, hinauf zum DJ. Gelenkt von ihr, sorgte er für Musikwechsel. Eine dunkel-sinnliche Melodie durchdrang den Raum und sie setzte ihr verführerischstes Lächeln auf.
„Na?“, fragte sie rau und fing seinen Blick. Sie wusste er las Feuer und Herausforderung darin.
Eine Herausforderung, der noch niemand widerstanden hatte und die sie noch verlor.
Sie tanzten, sie tranken, sie lachten. Er verlor sich in ihrem Lachen, versank in ihrem Duft und verfiel ihren Berührungen. Hatte sie nicht recht? Er war gefallen, er hatte nicht vor in den Himmel zurück zu kehren. Was hielt ihn davon ab, sich an ihre Seite zu stellen. Vor was fürchtete er sich? Sich seine ehemaligen Brüder zu Feinden zu machen? Für sie war er so gut wie tot. Davor dem Bösen zu dienen? Die Hölle, war anders, als man dachte – dies hatte er schon vor langer Zeit erfahren. Und auf ihn würde nicht das Fegefeuer warten … Außerdem – ein fröhlicher Abend mit Belle bedeutete noch nicht die ewige Verdammnis, oder?
Seine Ängste, sein Widerstand schwanden unter der verbotenen Süße von Belles Lächeln und … Küssen. Ihre Küsse waren so sinnlich, so süß – keine Frau hatte ihn bisher durchdrungen wie sie. Ihre Küsse waren ein Trank, ein Aphrodisiakum ohne das er nicht mehr Leben wollte.

Er presste sie gegen die harte Wand des VIP Bereiches, ihr kurzer Rock, bauschte sich um ihre Hüften, ihr Atem strich in abgehackten Seufzern über seinen rasenden Puls. Er wühlte eine Hand in ihre weichen Locken, zog daran, bis sie zu ihm aufblickte. Ihre goldenen Augen blickten hungrig in die seinen, ihre weichen, vollen Lippen standen leicht offen.
„Belle!“, raunte er und Hitze durchflutete ihn, als er ihre weichen Brüste an sich gepresst spürte und sich ihre Nägel in seinen Nacken gruben.
Mit einem animalischen Knurren eroberte er ihren Mund und sie öffnete sich ihm, mit einem leisen Lachen, begrüßte seine fordernde Zunge spielerisch mit der ihren und schmiegte an ihn.
Sie genoss es, wie seine großen, starken Hände ihren Rücken massierten, sich sein harter, männlicher Körper an sie presste, sie hielt. Er war so begehrlich, so ungezähmt, ihr zuerst so beherrschter Engel. Seine Hände glitten ihre Seiten hinab, umfassten ihren Po, hoben sie an. Sie verschränkte ihre Arme hinter seinem Kopf, umschlang ihn mit ihren Beinen. Er trug sie zu dem weichen Sofa, von welchem sie in den Club hinabblicken konnten, ohne selbst gesehen zu werden. Die Musik pulsierte in ihren Ohren, ihrem Blut, aufpeitschend, hart, wild. Seine Hand glitt zum Bund ihres Rockes, mit bebenden Fingern schob er ihn über ihre Hüften, ihre Oberschenkel. Ein Moment, der sie beide leise Lachen ließ folgte, als sie mit ihrem Röckchen kämpften und ihre Positionen änderten, um sie daraus zu befreien. Sein Lachen durchzuckte sie, wie eine intime Berührung. Unwillkürlich zog sie ihn wieder an sich, küsste ihn stürmisch, dieses Mal war sie es, die die Initiative ergriff, an seinem T-Shirt zerrte und einen Augenblick sogar die Kontrolle über ihre infernalischen Kräfte verlor, so dass der weiche Stoff riss, wie ein Blatt Seidenpapier. Wieder lachten sie, seine hellen Augen blitzten humorvoll in ihre.
„Du weißt wie dies enden kann?“, kam es ihr da plötzlich über die Lippen.
„Ja …“, nickte er. „Doch wie du bereits sagtest, heute Nacht verwischen Grenzen. Heute Nacht, will ich einfach nur feiern. Du hast mich verhext, Belle.“
Bevor sie noch etwas sagen konnte, verschloss er ihr den Mund mit einem Kuss. Seine Finger hakten sich in den Bund ihres Höschens.
„So gefällst du mir!“, gurrte sie, doch in ihren Augen stand noch ein leichter Zweifel, auch wenn sie sich aufsetzte und sich ihr Trägertop über den Kopf zog.
Seine Hände legten sich um ihre vollen, weichen Brüste. So zart, die blasse Haut, so rosig, die aufgerichteten Spitzen. Rosig und einladend, wie ihre Lippen. Er konnte nicht anders als sie zu küssen. Sie keuchte auf, als er sie seine rauen Wangen, an ihrer Brust fühlte und seine warme Zunge, die ihre Knospen liebkoste. Er warf ihr Höschen zu Boden und drängte sie zurück auf das Sofa. Ihre Hände glitten über seinen durchtrainierten Oberkörper, folgten den Linien seiner Muskeln, hinab zum Bund seiner Jeans. Sie löste die Knöpfe, schob sie ihm über die Hüften. Er stöhnte und drängte ihr seine Lenden entgegen.
Sie fing seinen Blick, hielt ihn fest, dann glitt sank sie in die weichen Kissen und zog über sich.
Sie küssten sich: tief, leidenschaftlich mit ungezähmter Leidenschaft. Er blickte auf sie, ihr von Lust gezeichnetes Gesicht, ihre schimmernde Haut. Seine Lippen suchten ihren flatternden Puls, glitten über ihren Hals, ihre wogendes Dekoleté, ihren weichen, aber flachen Bauch. Seine Zungenspitze tauchte in ihren Bauchnabel und entlockte ihr einen kleinen Schrei. Sie war so schön. Wunderschön. Sein Blut schien weißglühende Lava, sein Herz pochte laut in seinen Ohren. Er bebte, erschauerte, wollte, wünschte …
Ihr Rücken bog sich, ihre Finger krallten sich haltsuchend in seine Schultern. Er stöhnte sehnsüchtig auf, seine Hände teilten ihre bebenden Schenkel, mit neckisch-kreisenden Bewegungen strebte er dem brennenden Zentrum ihres Begehrens entgegen um es schließlich spielerisch zu reizen und Belles Kehle flehende Laute zu entlocken. Er lächelte. Nun war es an ihm, mit ihr zu spielen. Sie hatte sich in ihr eigenes Netz verstrickt und sehnte sich ebenso nach seinem Körper, wie er nach dem ihren.
Es war pures Feuer, das sie durchströmte, lodernd, heiß. Seine Berührungen versengten sie und doch wollte sie mehr, ihn tief in sich spüren, eins mit ihm werden und seinem Feuer, um darin zu verglühen. Nun, es war nur ein Spiel und Spiele sollten Spaß machen. Trick or Treat? Trick or Treat?
„Adrien. Trick or Treat?“, wisperte sie gegen seine Brust und schlang ihre langen Beine um seine Mitte.
Er stützte seine Hände neben ihrem Kopf auf die Armlehne des Sofas und küsste sie beinahe grob, doch sie erwiderte seinen Kuss mit animalischer Gier. Lippen, Zähne, Zunge.
Wildheit und Zärtlichkeit, mischten sich zu einem erregenden Cocktail, als er sie an sich riss, ihre Finger sich in ihren schmalen Rücken bohrten
„Treat! Eindeutig Treat.“, antwortete er rau, bevor er sich mit ihr vereinigte.
Ihre Lippen öffneten sich zu einem stummen Schrei, ihre Knöchel verhakten sich in seinem Rücken. Sie hob sich ihm entgegen, um ihn tiefer in sich aufzunehmen. Er nahm sie fordernd und doch auch sie forderte, umschlang ihn, wollte keine Sanftheit und er hatte keine zu geben.
Als sie in seinen Kuss schrie und sich zuckend an ihn klammerte, trug auch ihn die Klimax fort. Wie feurige Schwingen schlug die Lust über ihm zusammen und durchdrang ihn. Ein letztes Mal stieß er in sie, sank er neben sie in die plüschigen Polster. Ihre Arme legten sich um seine Mitte. Sie hauchte einen Kuss gegen sein Schulter.
„Treat.“, bestätigte sie.
Doch dann durchzuckte ihn scharfer Schmerz. Ihm war als hätte man mit einer Geisel auf seinen Rücken eingeschlagen. Es zerfetzte, zeriss ihn wie Raubtierkrallen. Er schrie auf, Tränen schossen ihm unwillkürlich in die Augen. Sein Rücken bog sich durch. Er fiel vom Sofa. Blieb dort schluchzend auf dem Buch liegen, als ihn weitere Schmerzblitze regelrecht zerissen.
Belle lachte auf. Sie kniete neben ihm nieder, hob ihn an, umschlang ihn mit den Armen, presste ihre Lippen auf die seinigen.
Ledrige Flügel, wie die eines Drachen oder einer Fledermaus – Dämonenschwingen brachen aus seinem Rücken, seine Augen flammten lodernd. Spitze Zähne bohrten sich blutend in seine Unterlippe.
Adriens Wandlung vollzog sich so schnell, schmerzhaft, aber schnell.
„Adrien – nun bist Du mein Adrien!“, jubelte sie rauh.
Adrien war verfallen und gefallen.

Ende

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